Die Macht der Elektronengehirne. Geschichte der Informationsgesellschaft.


Eine Produktion der zb Media für das ZDF 2017 (43 min.)

Buch: Stephan Bleek, Peter Kocyla.
Regie: Peter Kocyla.
Kamera und Schnitt: Wanja Nolte.

Mit: Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung), Simon Hegelich (TU München), Arndt Bode (LRZ München), Jimmy Schulz  (Politiker und IT Unternehmer), Ulf Hashagen (Deutsches Museum), Sebastian Hahn (NSA Opfer), Hans Hübner  (ehemaliger Hacker).

Der Film:

Computer haben die Gesellschaft des 20. Jahrhunderts entscheidend verändert. Dienen sie der Unterjochung der Menschen durch “Big Brother”? Oder stehen sie für die Freiheit des Individuums?

Elektronengehirne – so nennt man Computer in Deutschland noch in den 70er Jahren. Ausgerechnet im Jahr von George Orwells Roman “1984” bringt Apple den Macintosh heraus, den persönlichen Computer für zu Hause. Digitale Power für den Bürger gegen die Großen. Hoffnungen und Ängste begleiten die Informationstechnik seit ihren Anfängen nach dem Krieg. Vor allem in Deutschland steht man Neuerungen oft skeptisch gegenüber. In den 50er Jahren war es das Fernsehen, in den 80er Jahren der Personal Computer, in den 90ern das Internet und heute sind es die Smartphones und die sozialen Netzwerke. Die Ängste und Warnungen von damals ähneln sich auf verblüffende Weise!

Der Film führt durch die Geschichte der Computertechnologie, der Daten und der Hacker. Heribert Prantl, Simon Hegelich, Arndt Bode und anderen Experten nehmen Stellung, Betroffene wie Sebastian Hahn oder Hans Hübner erzählen ihre Geschichte.

Link zum Film in der ZDF Mediathek:

Computerfilm

Die Geschichte

In der historischen Rückschau wird klar, dass es 1.) anders kam, und 2.) als man dachte. Die Kritiker in den 70er Jahren hatten durchaus Recht. Denn Computer und Industrieroboter haben Tausende von Jobs verdrängt, die unwiederbringlich verloren sind. Gleichzeitig haben sie hunderttausende neuer Arbeitsplätze geschaffen. Umso interessanter ist es, wenn in den 1980ern Hacker darüber diskutieren, ob es wünschenswert wäre, wenn alle Computer miteinander „vernetzt“ wären – denn schon damals konnte man sich über Telefon und Akkustik-Koppler in fremde Rechner einwählen. Datenschutz war damals ein ganz heißes Thema. Das Gespenst von Orwells 1984 wurde beschworen.

Dann fiel 1989 die Berliner Mauer. Der klassische totalitäre Staat verschwand – zumindest in Europa und vorübergehend. Paradoxerweise sind heute weltweit mehr persönliche Daten im Internet verfügbar als jemals zuvor in der Geschichte. Und diese Daten werden genutzt, das wissen wir spätestens seit Snowden oder dem Facebook Skandal. Ohne das die Betroffenen davon wissen, oder auch nur verstanden haben, wie das funktioniert.

Privatsphäre

Umso erstaunlicher ist es, wie vergleichsweise sorglos man heute seine privaten Daten preisgibt. Freiwillig. Das war zur Zeiten der Volkszählung 1983 ganz anders. Und doch hat unsere Welt heute mit Orwells „1984“ nicht zu vergleichen.

Gibt es überhaupt ein Zurück? Ist besserer Datenschutz die Lösung? Helfen die alten Regeln überhaupt noch? Oder sollte man eher die Flucht nach vorne antreten und die Daten allen zugänglich machen? Unser Film spannt einen Bogen von den 60er Jahren, über die 80er in die 90er bis heute. Ziel ist es, die Entwicklungen und Veränderungen zu zeigen, die durch die digitale Revolution eingetreten sind – ohne Scheuklappen, ohne die immer gleichen Muster aus Pessimismus und Sozialkritik zu bemühen, aber dennoch reflektiert – und mit einer historischen Perspektive, die manche Dinge in einem ganz neuen Licht erscheinen lässt.

Die Zukunft

So, wie wir heute amüsiert Diskussionen betrachten, die vor 20 Jahren über das Internet geführt wurden, müssen wir uns heute fragen, wie zukünftige Generationen über uns urteilen werden, wenn wir über Smartphones,, Facebook und Co. diskutieren. Wird man in 30 Jahren nachsichtig darüber lächeln, dass Menschen früher eine Scheu davor hatten, sich in selbstfahrende Autos zu setzen? Wie wird „Privatsphäre“ in Zukunft überhaupt aussehen? Ist diese Zukunft düster oder strahlend? Oder am Ende doch… ganz anders?