Eine jüdische Schule 1937 in Berlin

Filmaufnahmen von der Leonore Goldschmidt Schule in Berlin, 1937

Die Dr. Leonore Goldschmidt Schule in Berlin ist eine jüdische Privatschule, die ein außerordentlich spannende Geschichte hat. Jüdische Schulkinder wurden seit 1933 in Nazi-Deutschland systematisch drangsaliert und schließlich Ende 1938 ganz vom Schulbesuch ausgeschlossen. Die Goldschmidtschule wurde als jüdische Privatschule in Berlin gegründet, um jüdischen Kindern einen  Schulbesuch ohne Repressalien zu ermöglichen.

Die Schule

Dr. Leonore Goldschmidt, geborene Tacke, war eine promovierte Historikerin und Anglistin. 1923 heiratet sie den Rechtsanwalt und Notar Ernst Goldschmidt. Sie arbeitet in Berlin als Lehrerin. 1933 wird sie von der Nazibehörde in den einstweiligen Ruhestand versetzt, weil sie mit einem Juden verheiratet ist.
1935 gründet Frau Goldschmidt die Privatschule für jüdische Kinder in Berlin-Grunewald in der Kronberger Straße 24. Dort werden im Sommer 1937 über 500 jüdische Kinder von 40 Lehrern unterrichtet.
Frau Goldschmidt erreicht über die Anstellung eines britischen Lehrers den Status einer zweisprachigen Schule, deren Abschlüsse von der Uni Cambridge anerkannt werden. So können die Kinder auf die absehbare Emigration vorbereitet werden. Anfang 1938 erhält die Schule die Erlaubnis, Abiturprüfungen durchzuführen. Doch die Ereignisse in Wien im März 1938 offenbaren das brutale Vorgehen  des Nazi-Staates gegen Juden. Die Goldschmidts bereiten sich und ihre Schule auf die Emigration vor. Im Sommer 1938 reisen sie in die USA, um eine Aufnahme der Schule dort zu verhandeln. Nach ihrer Rückkehr wird dieses Projekt jedoch von den Berliner Behörden untersagt. Schließlich übertragen sie das Eigentum an der Schule an den englischen Lehrer. Dadurch wird die Schule als ausländische Einrichtung geführt. Die Folge: beim Novemberpogrom 1938 wird die Schule nicht angetastet. Das rettet den Kindern das Leben. Sie können im Winter und im Frühjahr 1939 mit den Kindertransporten nach England emigrieren. Ernst Goldschmidt verlässt Deutschland bereits am 10. November 1938. Dr. Leonore Goldschmidt verlässt Deutschland endgültig am 20. Juli 1939. Ihre Schule wird in Folkestone wiedereröffnet. Einige Lehrer der Schule waren am 9. November verhaftet worden, kommen jedoch Anfang Dezember wieder frei. Nicht alle Lehrer und Kinder können Deutschland 1939 verlassen. Auch vielen Eltern der Goldschmidtschüler war die Rettung nicht vergönnt und sie starben in der Todesmaschinerie des Holocaust. Eine ausführliche Schilderung der Geschichte der Goldschmidtschule hat die Tochter von Leonore Goldschmidt verfasst.

Die Filmaufnahmen

Die Filmaufnahmen des amerikanischen Journalisten Julien Bryan entstanden vermutlich im Sommer 1937 oder etwas später. Seine Aufnahmen der Goldschmidtschule wurden nie veröffentlicht.

Passport Julien Bryan 1937
Passport Julien Bryan 1937

Vor einigen Jahren habe ich sie in der Library of Congress gesichtet und eine Scanerlaubnis erhalten. Die HD Scans habe wir technisch bearbeiten und verbessern lassen, ohne die originalen Filmaufnahmen zu stark zu verändern. Die genaue Datierung der Aufnahmen ist nicht belegt. Auf Seite 12 des Passes ist eine Geldabhebung in Heidelberg im September 1937 vermerkt.

Passport Julien Bryan 1937 - Visa
Passport Julien Bryan 1937 – Visa

Eine ehemalige Schülerin der Goldschmidtschule hat die Aufnahmen vor einigen Wochen gesehen und glaubt, sich auf einer Aufnahme im Klassenraum zu erkennen – allerdings 1938. Dann wären diese Aufnahmen möglicherweise nach der Rückkehr der Goldschmidts aus den USA entstanden.

Wird fortgesetzt.